30.10.2007
Die Letten im Weltall, das sind die beiden MCs Fizzy Fresh und ErstePerson Singular (EPS), die es auf ihrer Flucht aus Lettland in das beschauliche Städtchen Freiburg verschlagen hat.
Eben jener Stadt widmen sie zusammen mit Mile eine Hymne, die gekonnt ein idyllisches Bild der Stadt zeichnet und einen Seitenhieb in Richtung der Rapkilla bereit hält. Neben "Freiburg" tritt Fizzys "ZweiVorEins"-Partner Mile auch auf der Internet-Hater-Abrechnung "www.vollidioten.de" und dem Allstar-Track "Gruppe X'n 80" neben Cashes Cle, Pfauth, Hofi Anan und Teufel gekonnt in Erscheinung. Lediglich der "Pädagoge Skit" ist zumindest nach meinem Geschmack für mehrfachen Genuss nicht geeignet.
Für den Skit entschädigt dann allerdings das großartige "Televolution", in dem Fizzy im Alleingang die halbe Fernsehwelt auseinandernimmt und in einen unglaublichen Text verpackt. Ein weiteres Highlight bildet "Wo is die Liebe hin", in dem ein kritischer Blick auf Rassismus und Geld als der Liebe abträgliche Faktoren geworfen wird. Auf "Der Beste" loben sich die Letten gegenseitig derartig in den Himmel, dass ein zukünftiger werbewirksamer Split inklusive gegenseitigen Diss-Tracks eigentlich unmöglich wird. Unbedingt reinhören sollte der HipHop-Kopf auch in die beiden Tracks mit Mars (Illyrium), von welchen vor allem "Schnell gelebt" als Plädoyer gegen ein Leben auf der Überholspur ein weiteres Highlight der Platte darstellt. Der Song wartet mit einer hervorragenden Textidee auf, welche ich allerdings den hoffentlich zahlreichen Käufern vorbehalten möchte. Auch "Orders from hell" überzeugt mit drei ausgefeilten Geschichten über drei tragische Schicksale und sticht so wohltuend hervor.
Der Track "Die alten Bilder" dürfte jedem mit wohlbehüteter Kindheit Gänsehaut auf den Körper zaubern und auch mit dem Entscheidungs-Track "WaDuWolle" sollte sich so ziemlich jeder identifizieren können, während "Ententanz" mit Enten, Affen und Letten auf psychoaktiven Pilzen ein wenig abgedrehter ist, aber dennoch gut in das Gesamtbild des Albums passt, welches durch eine große Themenvielfalt besticht und dabei gekonnt die gängigen HipHop-Klischees umschifft oder gar parodiert ("Hey Süße Skit"). Das Soundbild des Albums fällt mit Beats von Czukles, Fizzy und Agent Dan eher Oldschool aus, ist aber dennoch auf gutem Niveau produziert und abgemischt, auch wenn das Rad der Beats nicht neu erfunden wird.
Im Großen und Ganzen handelt es sich bei "Zum Abschuss bereit" also um ein sehr rundes Werk, welches das Gehör der HipHop-Nation verdient hätte.
Fizzy Fresh bei Radio BIS in Polen
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Fizzy Fresh zu Gast in der Hip Hop-Sendung bei Radio BIS Polen. Radio BIS
ist der Jungendsender des polnischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks
"Polskie Radio". Das Interview fand am 05. Juli 2007 im Sendezentrum
Warschau statt. Hier die Übersetzung des Interviews ins Deutsche.
BIS-Interview-1
Fizzy Fresh ist mein Name, wenn ich rappe. Normalerweise arbeite ich als
Kellner in nem Restaurant und nebenbei bin ich auch noch Student. Ich rappe
selbst, mache auch die Beats und recorde und produziere im Studio vom
Uniradio in Freiburg. So siehts aus.
BIS-Interview-2
Ich denke der erste Track zeigt, dass wir einfach ne neue Generation von
Rappern sind, die nicht vom diesem üblichen Gangsterimage erzählen
und blabla-Texte kicken, sondern genau solchen Leuten den Kampf ansagen.
Die andern Texte handeln von Geschichten. Ich seh mich halt als Storyteller.
Da ist zum Beispiel Kopfschmerz, wo es um einen Typ geht, der mit ner
Migräne aufwacht und im Radio hört, dass auch viele andere ne
Migräne haben. Keiner geht mehr zur Arbeit, Frachter gehen unter,
Flugzeuge stürzen ab. Es ist für mich einfach eine Art, sich das
Ende der Welt vorzustellen.
Vielleicht werde ich nächstes mal auch auf Englisch oder Polnisch
rappen. Das hier ist mein Lieblingstrack, weil mir dabei vor allem das
Thema Globalisierung sehr am Herzen liegt.
BIS-Interview-3
Wir heißen Letten im Weltall. Wir machen neuen Hip Hop und sind nicht
so engstirnig. Wir nutzen also alle Möglichkeiten und das erkennt
man schon am Namen. Wir nennen uns ja nicht zum Beispiel JPPA und nehmen
irgendwelche Codes wie in den Anfangstagen von Hip Hop in New York. Wir
wollen halt schon mit dem Namen klar stellen, dass alles nicht so ernst
gemeint ist. Wie beispielsweise beim Track Ententanz (Polnisch: taniec
kurczakow). Da geht’s darum, dass wir durch den Park rennen und einfach
ne coole Zeit mit den ganzen Tieren haben. Wir füttern Enten, Elefanten
und Affen mit Ecstatsy und das soll halt lustig rüberkommen. Das
merkt man auch schon am Beat, der hat son leichten Reggae-Style. Und
wenn man den hört, fühlt man auch schon, dass alle auf Dope
sind.
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