Crew

Die Letten im Weltall aus Freiburg, das sind Fizzy Fresh, Mile MC und Schellenkönig Boris (a.k.a. ErstePersonSingular) - zwei lettische MCs, die als Spätaussiedler nach Deutschland kamen und ihr deutscher EU-Integrationsbeauftragter. Nach dem Chakles berns-Tape (2002), der Wortclub-Demo (2005) und dem Album Zum Abschuss bereit (2007) haben die Balten schon einige Skillz bewiesen und gezeigt, dass der Untergrund brodelt vor Ideen. Auf Battles konnten sie leider noch nicht gewinnen, da ihre Freestyles nach anfänglich deutschen Standard-Floskeln schnell wieder in wüste Beleidigungen in lettischer Sprache abdriften.

Die Letten sind keine Kostverächter. Traditionell baltische Gebräuche pflegt man auch auf der Bühne umzusetzen. So sollte auf dem Skillz that killz-Jam in Freiburg eigentlich Wodka an das Publikum veteilt werden, um dessen Geschmack danach mit mitgebrachten Essiggurken zu bremsen. Beinahe hätte die Band jedoch nicht auftreten können, weil Fizzy Fresh der Wodka am Eingang abgenommen wurde und sein Partner EPS den Türsteher auf Lettisch beschimpft hat.



                 


Name: Fizzy Fresh
Macht: Raps & Beats

Fizzy Fresh ist ein Lette der ersten Stunde. Als kleiner Junge zog er mit seinen Eltern nach Niedersachsen, wollte seine Trachtenkleidung aber nicht gegen Sneaker und Caps eintauschen. Er blieb hartnäckig bei den traditionellen Bābzkas-Schuhen und der Čajiks-Fellmütze. Dann kam er durch Schulfreunde zu HipHop und begann Texte zu schreiben und Beats zu programmieren. Doch Rap als Beruf? Nein, eher nicht.
Beflügelt durch ein Schulpraktikum bei der lettischen Raumfahrtbehürde ALE, wurde sein Wunsch bestärkt, Kosmonaut zu werden. Doch aufgrund seiner Plattfüße und seiner Nickelallergie konnte man ihn beim Bewerbungsverfahren für die Raumfahrtschule in Riga nicht berücksichtigen. Als Trost schenkten ihm seine Ausbilder eine originale Kosmonauten-Trainingsjacke von Aleksandrs Čaks, einem lettischen Weltraumpiloten von 1979. Dazu hat er noch ein Stück Marsgestein von seinem Idol Bālerkis Sveňtjovs bekommen, auch er war ein lettischer Weltraumpionier von 1979. Da die baltische Republik Lettland aber nur eine Rakete besitzt und diese sich zu jener Zeit in Reparatur befand, kam ihm die Ausmusterung ganz recht. Mit HipHop versucht er jetzt steil nach oben zu gehen. Der Umzug nach Freiburg stand an, Lettland den Rücken zu kehren. In Freiburg traf er ErstePersonSingular, mit dem er seither die Häuser rockt.


                 

Name: ErstePersonSingular
Macht: Raps

ErstePersonSingular, kurz EPS, wurde von einem weisen buddhistischen Mönch einmal treffend beschrieben als "der, der das macht, wovon alle anderen nur reden, und diesen damit auf dem Pfad der spirituellen Erleuchtung um Längen voraus ist."
Als lettischer Bauerssohn ritt er auf dem Esel von Riga nach Deutschland mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Seine Flucht war auch politisch und religiös motiviert. So setzte er sich für die Rechte der Birne ein und betrieb entgegen der Lehre der christlich-lettischen Kirche Forschungen am "Ei". Außerdem gilt er als einer der energischsten Befürworter der Seligsprechung Viktualis Sventjivs, des lettischen Vodkaheiligen. So wird er nicht müde, in regelmäßigen Abständen Petitionen an den Papst zu schicken und seine liebste Freizeitlektüre sind die Bücher des Kirchenrechts.
Mit den Letten im Weltall hofft er nun auf den großen Durchbruch und plant schon jetzt ein großes Marketingprojekt für Merchandiseprodukte. Seine Oma in Riga hat deshalb schon zwei Lagerhallen in Lettland erworben, um dort mit der ganzen Familie traditionelle Stoffe zu weben und mit baltischen Mustern zu besticken.
Kürzlich machte EPS noch dadurch von sich reden, dass er das erklärte Ziel verfolgt, dem Trucker-Style mit Vokuhila und Oberlippenbart wieder zu neuem Renommee in der HipHop- Szene zu verhelfen. Als Modemissionar unter Decknamen wie "Schellenkönig" oder "König Boris II" bereist er ganz Süddeutschland und geht mit gutem Beispiel voran.


                 

Name: mile
Macht: Raps, Beats, Cuts

mile hat mit HipHop ungefähr so viel gemeinsam wie sein Vater mit der sibirischen Technoszene. Geboren und aufgewachsen in der schwäbischen Dorfidylle zog es ihn nach erfolgreichem Abitur 2004 zum Studium nach Freiburg. In absoluter Rekordzeit beendete er schon nach zwei Jahren seinen Doppelstudiengang Soziale Arbeit und Baltische Kultur mit Bestnoten und begann sich um die heroinabhängigen Straßenkinder im Breisgau zu kümmern. Es schien ein erfülltes und glückliches Leben zu werden bis zu eben jenem Tag, an dem die EU-Integrationsbehörde aufgrund seiner exzellenten Referenzen auf ihn aufmerksam wurde und er mit einem wahrlich diffizilen Fall beauftragt wurde. Die Grenzen der EU öffneten sich nach Osten und schwemmten unter Anderem zwei lettische Spätaussiedler nach Deutschland, die sich vehement gegen jegliche Form von sozialer Anpassung sperrten. mile sollte nun nichts Geringeres leisten, als aus den beiden ungepflegten, daueralkoholisierten Letten durchschnittliche, funktionierende Deutsche zu machen, die Samstags ihr Auto waschen, den Garten pflegen und die Polizei rufen, falls die Nachbarn beim Grillfest auch noch nach 21:00 Uhr Musik hören. Schwerer Job, aber durchaus machbar würden die beiden Atzen nicht ausgerechnet diese grauenvolle Rapmusik machen, die mile bis dato nur aus einem Seminar über gewalttätige Berliner Migrantenkinder kannte. mile ist kein Mensch der vor großen Aufgaben zurückschreckt, also studierte er MTV, sämtliche erhältliche Fachliteratur und lieh sich sogar von seinem Neffen eine "Rapper Paradise"-CD. Glänzend vorbereitet stellte er sich den Letten zu einem ersten Treffen, um schon nach fünf Minuten feststellen zu müssen, dass sein angelesenes Vorwissen vollkommen nutzlos war. Er wurde in einem lettischsprachigen Cypher erst heftig angespittet, dann zerflext und zum Abschluss mit einer Ohrfeige und den Worten "Du Opfer, lass dich hier bloß nie wieder blicken!" aus dem Proberaum geworfen. mile gab nicht auf, er beschaffte sich Streetcredibility und Polizeischutz, wovon zunächst nur Letzteres Anerkennung fand.
Jetzt schreibt man 2009, die Letten werden immer noch von der EU gefördert und mile ist fester Bestandteil der Band. Ob sein ursprünglicher Auftrag erfolgreich war, wird in Fachkreisen heftig diskutiert. Einige behaupten sogar das Gegenteil sei der Fall, auch er sei jetzt ein baltischer Raprüpel allererster Sorte.